Ensō – Ausdruck des Moments

Ensō – Ausdruck des Moments

Der Ensō (japanisch für „Kreis“) gehört zu den tiefgründigsten Symbolen des Zen-Buddhismus.

In der japanischen Kalligrafie entsteht er in einem einzigen, fließenden Pinselstrich. Ohne abzusetzen. Ohne Korrektur. Ohne den Versuch, etwas nachträglich zu verbessern.

Jeder Kreis ist Ausdruck eines Augenblicks. Er lässt sich nicht planen, nicht wiederholen und nicht perfektionieren. So wird der Ensō zum Spiegel der eigenen Verfassung. Er zeigt nicht, wie etwas sein sollte, sondern den Moment.

Genau darin liegt seine Schönheit. Nicht in der Perfektion, sondern in der Unvollkommenheit. In der japanischen Ästhetik des Fukinsei werden Asymmetrie und Unregelmäßigkeit nicht als Mangel verstanden, sondern als natürlicher Ausdruck des Lebendigen.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich der Ensō seit vielen Jahren begleitet. Zu sehen, das Entwicklung selten geradlinig verläuft, hat etwas berührendes und beruhigendes. Vieles läßt sich planen, aber nicht alles kontrollieren. Und oft ensteht gerade dort etwas Unerwartetes.

Genau diese Haltung finde ich im Shiatsu wieder.

Ruhige Bewegungen in Präsenz, aufmerksam, absichtslos und offen für den Augenblick. Berührung die nichts wollen. Nichts forder. Die da sind und den Moment wahrnehmen.

Es geht nicht darum, Menschen oder Pferde zu optimieren. Es geht darum, aufmerksam zu sein für das, was gerade da ist. Aus dieser Wahrnehmung können neue Prozesse entstehen.