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Mädesüß - das Vierzigerleikraut

Bereits Hildegard von Bingen (1098-1179) schätzte Mädesüß als wertvolle Heilpflanze für viele Krankheiten und ließ sie in ihren Klostergärten kultivieren. Der alter Volksname für Mädesüß - Vierzigerleikraut - zeigt das diese vielseitige Heil- und Nutzpflanze beretis früh eine großen Wertschätzung genoss. So wurde sie traditionell als universelles Mittel gegen angeblich 40 verschiedene Krankheiten, Leiden und Zwecke eingesetzt.

Ein kleiner Steckbrief

Pflanzenfamilie

  • Rosengewächse

Merkmale und Herkunft

  • Wuchshöhe: 50 bis 200 cm hohe, krautige Staude.
  • Blütezeit: Juni bis August.
  • Blüten: Cremeweiße, schaumige, stark süßlich duftende Blütenrispen.
  • Standort: Sonnig bis halbschattig; feuchte, lehmige und nährstoffreiche Böden.

Verwendung und Inhaltsstoffe

  • Enthält Salizylsäure-Verbindungen (ähnlich wie das Vorbild von Aspirin) und wirkt schmerz- sowie entzündungshemmend.
  • Verbessert die Blutfließfähigkeit und regt den Stoffwechsel an.
  • Anwendungsgebiete: Volksheilkundlich bei Erkältungen, Fieber, Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen.

Ernte

  • Bei der Ernte von Mädesüß können sowohl die jungen, grünen Blätter als auch die Blütenstände und Früchte geerntet werden. Die Kräuter können bevorratet und getrocknet werden. Beim Trocknen der Kräuter sollten die Blütenstande aufgehängt werden.

Duftende Täler

Ist das eine oder andere Heilkraut unter Umständen schwierig zu finden oder auch zu bestimmen - gibt es beim Mädesüß eine gute Nachricht. Es ist mit seinen gelblich-weißen Mädesüßblüten nicht nur optisch einfach zu erkennen, es verströmt auch einen einzigartigen Geruch.

Es ist mit seinen gelblich-weißen Mädesüßblüten nicht nur optisch einfach zu erkennen, es verströmt auch einen einzigartigen Geruch.

Mädesüß riecht sehr intensiv. Der Duft ist süß und schwer, und erinnert an eine Mischung aus Vanille, Honig und Mandeln.

Dieser süßliche Geruch hat der Pflanze auch ihren Namen gegeben. Mahdsüße (der süßliche Duft von gemähten Wiesen oder auch die englische Bezeichnung 'meadowsweet' (Wiesenduft). Im Mittelalter dienten die duftenden Blüten zum Aromatisieren von Honigwein.

Zerreibt man jedoch die Blätter und Stengel wird der Geruch durch die Salicylsäure medizinisch und etwas herb.

Und damit kommen wir zu der beeindruckenden Eigenschaft diese Pflanze.

Mädesüss an Uferregionen
Mädesüss an Uferregionen.

Die vergessene Schmerzpflanze

Für Pferde und auch für Menschen hat Mädesüß ein sehr breites Einsatzgebiet.

Aufgrund ihrer blutverdünnenden, schmerzlindernden und entzündungshemmenden Wirkung, ist die bekannteste Anwendung sicherlich die akute oder die subklinische Hufrehe.

Gerade hier kann die Wirkung vom Mädesüß durch die Kombination mit Weidenrinde verstärkt werden. Beide Kräuter regen die Durchblutung an und fördern so die Regeneration im Inneren des Hufs . In der Hemmung von Schmerzen wirken die Kräuter unterschiedlich und ergänzen sich. Während bei Mädesüß die schmerzlindernde Wirkung schnell eintritt, ist die von der Weiderinde langsamer, dafür aber länger. Deshalb werden beide häufig auch als kombinierte Kräutermischung (1:1) angeboten und können täglich mit 30-50 Gramm (etwa eine handvoll) unter das Futter gemischt werden.

Aufgrund der harntreibenden Wirkung kann diese Kräuterkombination auch bei einer Insulinresistenz eingesetzt werden, die ja häufig als Auslöser der Hufrehe diskutiert wird.

Weniger gekannt ist, das gerade auch ältere Pferde mit Muskelproblemen oder Arthrosen, besonders in der nasskalten Jahreszeit von der schmerzstillenden Wirkung des Mädesüß profitieren können.

Auch bei Erkrankungen der Sehnen, Gelenke und Bänder, wie z.B. OCD ( „Chips“), Fesselträgerschäden oder arthrotischen Schüben kann Mädesüß unterstützend eingesetzt werden.

Unterschiedlich sind die Meinungen bezüglich der Anwendung bei Störungen im Magen-Darm-System gesehen. Es soll unter anderem bei Blähungen oder Durchfall helfen und auch hier schmerzlindernd, entzündungshemmend und krampflösend wirken. Bei bereits offenen Magengeschwüre ist aufgrund der durch das Mädesüß verbesserte Fließfähigkeit des Blutes allerdings Vorsicht geboten. Außerdem kann die kann natürliche Salicylverbindungen bei empfindlichen Mägen in hoher Dosierung die Magenschleimhaut reizen.

„Wer Rheumatismus, Gicht oder Muskelschmerzen behandelt, sollte auch einmal an diese Pflanze denken.“

– Cornelia Stern

Im 17. Jahrhundert hatte der englische Arzt Nicolas Culpeper, ein simples und dennoch sehr wirksames Rezept für seine Kolikpatienten. Mädesüß wurde in Wein ausgekocht und der Sud anschließend auf den Bauch aufgetragen und einmassiert. Diesem Rezept war er so erfolgreich, weil über die Haut Salicylaldehyd in den Körper gelangt, was dann in der Leber in die entzündungs- hemmende, fiebersenkende und schmerzstillende Salicylsäure um- gewandelt wird.

Wohl kaum einer wird heute noch Kolikpatienten auf diese Weise behandeln, aber trotzdem eignet sich Mädesüß hervorragend für Einreibungen bei Gelenk- und Gliederschmerzen, Prellungen oder anderen stumpfen Verletzungen

Ernte, Trocknung und Lagerung

Mädesüß kann je nach Pflanzenteil von Mai bis August geerntet werden:

Historische Darstellung
Mädesüss bei der Trocknung

Junge Blätter sammelt man im Frühling (Mai) vor der Blüte, während die aromatischen Blütenrispen von Juni bis Juli (bzw. bis August) im voll erblühten Zustand geschnitten werden.

Geerntet werden die Mädesüß an einem trockenen, sonnigen Vormittag, dann ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten. Zum Trocknen hängt man die Pflanze in kleinen Büscheln , an einen schattiger, gut durchlüfteter Ort, ohne direkte Sonneneinstrahlung. Nach dem vollständig Durchtrocknen können Blätter und Blüten zerkleinert werden und müssen vor Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt werden So bleibt die Qualität bis zu zwölf Monate erhalten.

Rezepte

Mädesüß-Tinktur

  • Büten sammeln: Ein Schraubglas locker mit frischen Mädesüßblüten füllen.
  • Ansetzen: Die Blüten mit 40-prozentigem Alkohol (etwa Korn oder Wodka) übergießen, bis alles gut bedeckt ist.
  • Reifen lassen: Das Glas verschließen und an einem warmen Ort vier Wochen lang ziehen lassen.
  • Abseihen: Die Flüssigkeit durch ein Tuch filtern und in eine dunkle Flasche füllen.
  • Anwendung: Die schmerzenden Stellen oder Gelenke mehrmals täglich mit der Tinktur einreiben

Teezubereitung

  • Mehrmals täglich Mädesüßblüten oder -kraut mit heißem Wasser übergießen, 10 min ziehen lassen, abseihen, schluckweise trinken. Maximal empfoh- lene Tagesdosis: Blüten: 2,5–3,5 g; Kraut: 4–5 g.

Vorsichtsmaßnahmen bei der Verwendung von Mädesüß

Mädesüß (Filipendula ulmaria) wird nicht empfohlen für Personen und Tiere mit einer Salicylatallergie oder -unverträglichkeit (Aspirin) oder für solche, die Aspirin aus anderen medizinischen Gründen meiden müssen.

Für umfassende Therapieempfehlungen, vor allem bei Pferden/Personen mit schweren Gesundheitsstörungen, sollte jedoch immer ein Tierarzt oder Therapeut hinzugezogen werden.

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